Sonntag, 18. Juni 2000
Der Wecker klingelt, schliesslich müssen wir noch ein paar Kleinigkeiten für die Tour besorgen, die am nächsten Tag beginnen soll. Der Tag beginnt wie üblich mit den Nachrichten des Westdeutschen Rundfunks. Genau das Richtige zum Aufwachen. „... Ein schweres Erdbeben hat in der vergangenen Nacht den Süden Islands erschüttert. Das Erdbeben mit dem Zentrum unter der Stadt Hella erreichte einen Wert von 6,2 auf der Richterskala. Grössere Schäden wurden bislang nicht gemeldet.“ Da waren wir erst mal wach und bereits auf die nächsten Wochen auf Island eingestimmt.
Am nächsten Tag ging es dann aber trotzdem los. Die Fahrradkartons hatten wir bereits einige Tage zuvor beim Händler geholt. Mit einigen Problemen verfrachteten wir sie in ungefaltetem Zustand auf eines der Fahrräder und schoben dann Fahrräder und Kartons mit leichten Problemen zur einige hundert Meter entfernten S-Bahn-Station. Dort packten wir die Kartons und Fahrräder in die S-Bahn nach Düsseldorf. Wie es der Zufall so will, kamen natürlich auch prompt zwei Kontrolleure. Da wir Rail & Fly – Tickets hatten, gingen wir davon aus, kein Problem zu haben, schliesslich waren die Fahrräder, die sonst ein gesondertes Ticket erfordern, angemeldetes Sperrgepäck. Die Kontrolleure diskutierten dann kurz und hatten bei der Hitze, es herrschten an die 30°C, auch keine Lust, sich zu streiten. Sie händigten die Tickets zurück, sodass wir ohne Probleme weiterfahren konnten. In Düsseldorf stiegen wir um in die Flughafen-S-Bahn am Nachbargleis. Der neue Fernbahnhof am Flughafen Düsseldorf liegt direkt am neuen Terminal, sodass wir Fahrräder, Gepäck und Kartons nur noch 150 m zu schleppen brauchten und dann sofort alles einchecken konnten. Wir hatten noch etwas Zeit. So hockten wir uns auf der neuen Aussichterrasse in die heiße Sonne und sahen den Flughezugen beim Starten und Landen bei. Nachdem wir noch ein Eis vertilgt hatten, wollten wir dann auch endlich Losfliegen. Also begaben wir uns gemütlich zum Busterminal. Mit dem Bus ging es dann zum Abflugterminal weiter. Im Duty Free besorgten wir uns noch eine Kilopackung Basset´s Original English Wine Gums. Diese Packung sollte uns in den nächsten Wochen immer wieder als eine kleine Aufmunterung dienen. Schließlich startete dann auch die Maschine pünktlich in den warmen Abendhimmel über Düsseldorf. Mit uns reisten etwa 200 weitere Reisende. Die allermeisten sahen aus, als wären sie auch als Touristen unterwegs.
Westisland
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Der Beginn der Tour im Westen (Bild: www.virtualiceland.com (R.I.P.))
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| Am Flughafen wird erst einmal gebastelt. |
Knappe zweieinhalb Stunden später landeten wir gegen 23:00 Uhr Ortszeit in Keflavik (sprich: Keplavik). Am Sperrgepäckschalter holten wir die Fahrräder ab. Das war gar nicht so einfach, waren doch unter unseren 200 Mitfliegern allein 12 Radfahrer. Soweit uns bekannt, waren alle Fahrräder unbeschädigt, von einem gerissenen Bowdenzug abgesehen. Nachdem wir unsere sechs Taschen aus dem Haufen von Rucksäcken, Fahrradpacktaschen und Koffern auf dem Gepäckband gerettet hatten, packten wir und alle anderen Radfahrer auch erst mal das Werkzeug aus, um Pedale und Lenker wieder korrekt zu montieren. Der Flughafen glich zu diesem Zeitpunkt eher einer Fahrradwerkstatt. Nachdem wir die Montagearbeiten abgeschlossen hatten, setzten wir uns etwa 25 km über die 41 vom Flughafen in Richtung Reykjavik ab. Das Wetter war wesentlich kühler als in Deutschland, aber nach der Hitze des Tages ganz angenehm. Unter einem Funkmasten fanden wir etwas abseits der Straße nach etwas Suchen ein geeignetes Plätzchen zum Zelten. Ansonsten ist die Gegend zum Zelten wegen des großen Lavafeldes und der damit verbundenen Unebenheit weniger geeignet. Aber wer suchet der findet. Kurze Zeit später krochen wir in unsere Schlafsäcke, um die erste Nacht auf isländischem Boden zu verbringen. Die nie untergehende Sonne hinderte uns an diesem und auch in den folgenden Nächten nicht daran, gut zu schlafen.
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