Fahrradtransport im Flugzeug
Der Transport des Fahrrades ist eigentlich unproblematisch. Er kostet bei der LTU nach Island, im Gegensatz zu den meisten anderen Destinations der selben Gesellschaft, nichts, man sollte es allerdings bei der Buchung mit anmelden. Ein Verpacken des Fahrrades in einen Fahrradkarton ist laut Vorschrift obligatorisch, allerdings achtet niemand darauf. Die Fahrräder in unserem Flugzeug waren fast alle nicht verpackt, sondern nur durch Isolierungen, wie man sie für Rohre verwendet, vor Beschädigungen geschützt. Diese Art der Verpackung funktioniert allerdings nicht für Brems- und Schaltzüge, sondern schützt vorwiegend den Rahmen. Deshalb ist ein Karton auf jeden Fall zu empfehlen. Es gibt ihn bei den Fahrradhändlern. Eventuell ein paar Tage vorher nachfragen, da sie sonst schnell auf dem Müll landen. Auf unserem Flug waren zwar alle Fahrräder, einen gerissenen Bremszug mal vernachlässigt, gut angekommen. Aber es gibt auch andere Geschichten ...
Grundsätzlich, egal ob mit oder ohne Karton, muss man die Pedale abschrauben (auf beiden Seiten gegen die Trittrichtung abschrauben!) und den Lenker querstellen. Beides keine Probleme. Wer Sorgen hat, kann es sich sicherlich von seinem Händler zeigen lassen. Die Pedale sind häufig sehr fest angezogen. Deshalb zu hause unbedingt einmal lösen, evtl. mit Spezialwerkzeug vom Händler (hat einen längeren Griff und damit einen größeren Hebel), damit es dann auf dem Flughafen auch wirklich klappt. Zum Anziehen der Pedale reicht ein normaler 15er Schraubenschlüssel, aber dann bitte ordentlich festziehen.
Die Luft sollte man zumindest etwas aus den Reifen lassen. Wir haben es probiert, die Luft drin zu lassen, weil das Pumpen mit so einer kleinen Handpumpe ein bisschen schwierig ist und es eine Weile dauert, bis man die 6 bar erreicht hat. Die Idee, die Luft im Reifen zu lassen, ist uns erst gekommen als der erste bereits platt war. Drei Reifen sind also mit vollem Druck geflogen. Zwei haben das auch überlebt. Der dritte Schlauch ist porös geworden, und musste nach ca. 100 km ausgetauscht werden. Offensichtlich waren sechs bar Druck auf Meereshöhe für den Schlauch noch auszuhalten, beim reduzierten Luftdruck in 10.000 m Höhe im Laderaum allerdings zu viel.
Den Karton kann man in Keflavik auf dem Flughafen abstellen. Dort wird er allerdings nicht lange verbleiben, es handelt sich mehr um ein Kreislaufsystem. Der Raum zur Aufbewahrung befindet sich, wenn man aus der Ankunftshalle hinauskommt, auf der rechten Seite. Es ist ein kleiner Raum für Altpapier in dem man den Karton abstellen kann. Wenn man Glück hat, steht dann auch beim Abflug ein Karton da. Da braucht man auch keine Hemmungen zu haben einen mitzunehmen, denn nach spätestens drei Tagen schmeissen die Angestellten die Kartons ohnehin weg.
Es gibt aber auch eine zweite Möglichkeit. In Keflavik existiert ein Campinplatz, der die Einlagerung der Kartons ermöglicht. Vom Flughafen aus sind es etwas fünf Kilometer, wer die mit dem Karton bewältigen will, soll das tun. Eine Garantie dafür, dass der Karton nach einigen Wochen noch da ist, ist der Raum vermutlich aber auch nicht.
Aber für den Rückflug ist die Verpackung vielleicht ohnhin nicht mehr so wichtig. Ein Schaden am Fahrrad bleibt zwar ärgerlich, bedroht aber wenigstens den Urlaub nicht mehr.
Das Fahrrad wird übrigens nicht auf die zulässige Gepäckmenge angerechnet. Als angemeldetes Sperrgepäck wird es getrennt abgefertigt und spielt im Zusammenhang mit dem erlaubten Freigepäck also keine Rolle.
Wenn man ein paar Dinge beachtet, ist der Fahrradtransport im Flugzeug also kein Problem. Das Reisebüro hilft bei Fragen sicher auch gerne weiter.
Camping
Campingplätze gibt es in fast allen Dörfern und Städten. Gelegentlich findet man auch entlang der freien Strecke einen Campingplatz, wahrscheinlich ist das aber nicht. Der Standard der Campingplätze ist in der Regel recht gut. Wie gut er ist, hat oft etwas damit zu tun, wie weit der Platz von der nächsten Ortschaft entfernt ist. Campingplätze in Dörfern sind oft besser ausgestattet als solche auf dem Lande, oder etwa solche im Hochland. In Hveravellir im Hochland gibt es beispielsweise ausser der heissen Quelle keine weiteren Waschgelegenheiten. Andererseits findet man auf dem Trail von Thörsmörk nach Landmannalaugar durchaus Campingplätze mit heisser Dusche und ähnlichem Komfort.
Manche Campingplätze bieten ausser einer Dusche auch eine Waschmaschine, so z.B. die Campingplätze in Reykjavik und Tálknafjördur. Das lässt es zu, nur sehr wenige Klamotten mitzunehmen und diese dann lieber mal zu waschen.
Ein Tip: wer auf den Campingplatz in Reykjavik geht, sollte zwei Dinge nicht tun. Erstens: das Telefon in der Rezeption benützen. Ich habe dort 1998 für ein 30 sec. Gespräch in die USA über 10,- DM bezahlt. Das Telefon wird vom Campingplatz betrieben, die, zumindest damals, die Taktung extrem verändert hatten. Besser das eigene Mobiltelefon benutzen oder eine öffentliche Telefonzelle suchen.
Zweitens sollte man nicht Duschen. Das kostet 300 kr., was exakt dem Eintritt ins benachbarte Schwimmbad entspricht. Dort kann man stundenlang Duschen, in Hotpots sitzen oder im 50 m Becken schwimmen.
Die Plätze sind immer mit einer Rasenfläche ausgestattet, in denen man auch die Heringe verankern kann. Die Preise sind dabei nicht zu unterschätzen. Für zwei Personen mit Zelt sind normalerweise etwa 25,- DM fällig. Darin sind normalerweise die Preise für Duschen, etc. enthalten.
Die Campingplätze bieten also eigentlich eine gute Gelegenheit zur Übernachtung. Das Problem ist jedoch, dass sie meistens irgendwo in den Dörfern liegen. Die dortigen Kids sind nicht immer an Fremde gewöhnt und können einem dann schon mal auf die Nerven gehen. Sie sind in der Regel nicht böswillig, aber sie haben Ferien und Langeweile. Diese Kombination führt einfach gelegentlich dazu, dass man mit nächtlichem Klopfen u.ä. rechnen muss. Das kann schon auf die Nerven gehen, v.a. wenn es zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kommt. Wir haben deshalb mit der Zeit versucht, irgendwo im Grünen zu campen. Auch hier sollte man ein bisschen Abseits zelten und so niemanden provozieren. Wir hatten beim wilden Zelten allerdings nie Probleme. Island-Reiseführer-Autor Ulf Hoffmann hat jedoch geraten, Flecken zu suchen, die nicht einsehbar sind. Er habe schon von unangenehmen Vorfällen mit besoffenen Dorfjugendlichen gehört. Ich meine, man sollte Vorsicht walten lassen, sich aber nicht nervös machen lassen. Island ist sicherlich immer noch weitaus sicherer als die meisten anderen Reiseziele.
Wildes Camping ist erlaubt und wenn man sucht, auch fast überall möglich. Schlecht sind Lavafelder, die immer völlig uneben sind. Gut sind Wiesen, die oft ziemlich uneben aussehen sich dann aber doch als „becampbar“ herausstellen. Wer abends einen hübschen Flecken gefunden hat, sollte ihn allerdings nutzen, denn es kann dann doch passieren, dass die nächsten 20 km nur an der Felswand auf der rechten und dem Meer auf der linken entlangführen. Im Zweifel also zuschlagen. Nach Möglichkeit nicht unmittelbar unter Hängen, in Senken oder neben Flüssen campen. Ein plötzlicher Regenguss oder ein Erdbeben kann Steine lösen, die Senke fluten oder den Flus über die Ufer treten lassen. Letztlich gilt aber auch hier: wer suchet, der findet.
Einkaufen / Finanzen
Man sollte zunächst einmal wissen, dass Island zu einem der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt zählt. Island ist ein reiches Land und sicherheitspolitisch bedeutend (wegen seiner strategischen Lage im Atlantik). Wer Island beherrscht, beherrscht den Atlantik. Somit sind die Kontakte nach Amerika und Europa ziemlich gut, was dem Land z.B. ermöglicht hat, als einziges Land der Welt eine 200 Meilen Fischereizone durchzusetzen. Daraus generiert das Land 50 % seines Brutto Inland Produktes. Ein nicht unerheblicher Teil der übrigen 50 % kommt aus der boomenden High Tech Industrie und dem Tourismus. Island gehört nicht der EU an, ist aber mit der EWU assoziiert.
Island ist also alles andere als ein armes Land. Wo es ein Dorf gibt, gibt es in der Regel auch einen (kleinen) Supermarkt. In diesen bekommt man von Hygieneartikeln über Nudeln bis zu Süsswaren all das, was man aus Europa gewöhnt ist, wenn die isländischen Supermärkte meist auch einen leichten amerikanischen Touch haben. Es braucht aber trotzdem niemand drei Kilo Müsli aus Deutschland anzuschleppen, aus Angst, auf Island keines zu bekommen (Gruss an Manuel in den Westerwald ).
Nur wenn man unterwegs ist, muss man schon damit rechnen, dass mal für ein paar hundert Kilometer einfach kein Dorf kommt. Man sollte also gut auf die Karte schauen und sich bei jedem Supermarkt, den man passiert, überlegen wann der nächste kommt.
Ein klitzekleines Problem ist das Isländische Preisniveau. Auf dem BigMac-Index nimmt das Land sicherlich eine Spitzenstellung ein (ein BigMac kostet auf Island soviel wie in Deutschland ein ganzes Menü, also etwa 10,- DM). In der Tat ist Island das zweitteuerste Reiseland der Welt, nach Japan (sagt zumindest der LonelyPlanet). Man sollte deshalb in jedem Fall darauf verzichten, Ausrüstungsgegenstände vor Ort zu kaufen. Das ist bei Verlust, Vergessen oder Verschleiss aber durchaus möglich.
Grundsätzlich sollte man kalkulieren, dass die Preise etwa doppelt so hoch sind wie bei uns. Das gilt vor allem für importierte Produkte (d.h. eigentlich alles ausser Fisch). Ein kleiner Einkauf im isländischen Supermarkt verschlingt also leicht soviel wie bei uns ein ganzer Einkaufswagen voll Waren. Dennoch lohnt es sich aus Gewichtsgründen eigentlich nicht, viel aus Deutschland mitzubringen. Wir hatten nur einige Tafeln Schokolade im Gepäck, da diese auf Island etwa 3,- DM / Tafel kostet. Nudeln, Kekse und andere Grundnahrungsmittel sind noch halbwegs erschwinglich. Nicht erhältlich, bzw. nur in sehr beschränkter Auswahl sind Trockenpulver für Saucen. Davon sollte man den ganzen Bedarf mitbringen.
Am günstigsten kommt weg, wer nur wild zeltet, selbst kocht und keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Übernachtungen kosten etwa ab 50,- im Mehrbettzimmer, im Hotel mindestens 150,- DM. Im Restaurant zu essen kostet für zwei Personen locker 100,- DM, bei McDonalds vielleicht nur 40-50,- DM. Überlandbusfahrten kosten etwas soviel wie bei uns das Zugfahren. Sollte man sich also alles gut überlegen und, wenn das Geld knapp ist, schenken.
Wir zwei sind pro Person mit etwa 600,- DM für drei Wochen (ohne Flug) über die Runden gekommen. Darin enthalten sind Nahrungsmittel, Campingplätze, eine Busfahrt und der Eintritt in diverse Schwimmbäder, Blaue Lagune inklusive. Wer sich die Campingplätze konsequent schenkt, und das ist durchaus möglich, kommt sicherlich auch mit 400,- DM aus. Man sollte aber natürlich eine Reserve haben, um im Notfall doch mal einen Bus benutzen zu können.
Die erste Anlaufstelle um einzukaufen gibt es direkt an der 41, wenn man aus Keflavik – Stadt herauskommt. Auch in Keflavik-Stadt selber gibt es einen einen Supermarkt in unmittelbarer Nähe des Campingplatzes.
Die Supermärkte haben teilweise von 07.00 Uhr bis 23.00 Uhr geöffnet, auch Sonntags. Man muss also einfach gucken ob noch offen ist oder nicht. Spätestens in Reykjavik gibt es dann die Möglichkeit, sich mit allem Notwendigen zu versorgen. Gegenüber des Inlandsflughafens, wo auch das Busterminal für Überlandverbindungen zu finden ist, gibt es in der Holzhütte einen kleinen Outdoorshop, wo man z.B. Reinbenzin bekommt. Im Einkaufszentrum „Kringlan“, dem grössten Islands, gibt es einen grösseren Outdoorshop (Skatabudin), dieser befand sich früher in der Innenstadt.
Radläden kenne ich keine, weil ich keine gesucht habe. Gibt es aber großen Städten mit Sicherheit auch.
Bezahlen kann man meist mit Kreditkarte, auch z.B. in den Bussen. Sonst gibt es aber auch in Reykjavik, Isafjördur und vielen anderen Städten (3.000+ Einwohner, nicht Dörfern) Geldautomaten. Diese akzeptieren Karten, die entweder auf Basis ec, maestro, o.ä. funktionieren. Die einzelnen Systeme sind auf der persönlichen ec-Karte vermerkt. Grundsätzlich müsste man mit der ec-Karte problemlos über die Runden kommen. Wer den Set noch mit einer Kreditkarte (Visa / Eurocard, nicht American Express) abrundet, wird keine Probleme haben. Die Gebühr bei Abhebungen mit der ec-Karte betragen ca. 2,50 Euro, es lohnt sich also etwas grössere Beträge abzuheben.
Von den Preisen abgesehen, gibt es auf Island, zumindest im Westen und Süden keine grundsätzlichen Versorgungsprobleme. Man muss sich halt nur gelegentlich vorausschauend proviantieren. Für den Notfall findet man aber auch immer mal wieder eine einsame Tankstelle, die meist auch ein kleines Café haben (beim Kaffee i.d.R. mit Free-Refill, d.h. mit kostenlosem Nachschenken) und meist auch über einen kleinen Kiosk verfügen (Süssigkeiten, manchmal auch einige Lebensmittel und Haushaltswaren).
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